Gleichberechtigung

Die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann ist ein kompliziertes Thema. Zumindest für viele Linke. Der Liberalismus setzt sich naturgemäß für grundsätzliche Chancengleichheit für alle ein. Damit war und ist der Liberalismus allzeit modern und unkompliziert.

Linke dagegen fühlen sich erst wohl, wenn der Staat eingreift. Positive Diskriminierung, Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragte (natürlich nur Frauen), paritätische Wahllisten und das bevorzugende Frauenstatut (z.B. der Grünen) sind entsprechende Gleichstellungsblüten. Das Feindbild alter-weißer Mann im mächtigen Patriarchat wird hochgehalten, obwohl das in vielerlei Hinsicht ebenso diskriminierend ist. Und wenn man in Berlin schon keinen Flughafen frist- und kostengerecht bauen kann, so führt Rot-Rot-Grün wenigstens den Frauenkampftag als Feiertag ein. Und das, obwohl Geschlecht eigentlich nur kulturell-gesellschaftlich konstruiert ist. Oder etwa nicht? Nun ja, wie gesagt – für Linke ist das Thema kompliziert.

Beim Thema Gleichberechtigung denken viele an Frauenrechte bzw. den Kampf der Frau um die Gleichberechtigung mit dem Mann. Insbesondere der Feminismus tritt heute medial und gesellschaftlich in Geschlechterfragen in Erscheinung.

Es gibt heute zahlreiche feministische Organisationen, Lobbys und Verbände, die dafür sorgen, dass mittlerweile nahezu jedes gesellschaftliche Thema besondere Aufmerksamkeit in Bezug auf Frauen und deren spezifischen Probleme erhält.

Gestützt durch staatliche Förderung und staatliche Einrichtungen sind die Einflüsse des Feminismus heute immens. Eine einflussreiche Männerbewegung gibt es dagegen kaum.

Feminismus für alle Geschlechter?

Der Feminismus versteht sich allerdings ursprünglich als gesellschaftliche und politische Strömung zur Selbstbestimmung aller Menschen jeglichen Geschlechts und gegen Sexismus. In der medialen und gesellschaftlichen Wahrnehmung polarisiert sich der heutige Feminismus allerdings leider allzu oft auf die Schlechterstellung von Frauen gegenüber Männern.

Dabei wird die Komplexität der Problematik oft ignoriert und auf ein übliches Mann-Täter-Frau-Opfer-Klischee reduziert, gerne auch mit einer Diffamierung der bösen alten weißen Männer. Oft erscheint auch eine Art Rosinenpicker-Feminismus, der Quoten in Dax-Vorständen und Parteiwahllisten fordert, aber nicht bei Müllmännern und Kanalarbeitern. Und auch bei der gendergerechten Sprache spricht man heute viel von Umweltaktivist*innen aber nicht von Umweltsünder*innen – diese Begriffe verbleiben selbstverständlich beim generischen Maskulinum.

Dies bleibt nicht unbemerkt und vielleicht ist dies zumindest ein Mitgrund für eine Besorgnis erregende Radikalisierung junger Männer. Framing und polarisieren hilft der Gleichberechtigung und der Entwicklung einer harmonischen, toleranten und gerechten Gesellschaft aber so viel wie Spiritus beim Löschen eines Feuers.

Erfolge des Feminismus

Dies alles macht den Feminismus heute nicht immer sympathisch. Trotzdem muss man der Bewegung ansich und über die Jahrhunderte einige notwendige Erfolge quittieren. Was meines Erwachtens oft vergessen wird ist, dass diese Erfolge auch immer nur möglich waren, weil (alte weiße) Männer diese Forderungen unterstützen – und das nicht immer aus Zwang, sondern auch aus Überzeugung.

Vieles davon ist heute zum Glück selbstverständlich. War die Gesellschaft hierzulande früher lange Zeit patriarchal geprägt, hat sich mit dem Frauenwahlrecht (1919) und der formellen Gleichberechtigung seit dem Grundgesetz 1949 und Artikel 3 einiges getan.

Der Weg der Feministinnen war auch in Deutschland lang. Erst ab 1900 durften Frauen studieren, ab 1908 durften sie Mitglied in Vereinen werden und Abitur machen. Ab 1923 durften Frauen Polizistin werden und 1958 trat das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft. Aber auch hier war noch von der Verantwortung der Frau für den Haushalt die Rede und sie durfte nur arbeiten, wenn sie ihre ehelichen Pflichten nicht vernachlässigte. Immerhin mussten Frauen ab dann keine Erlaubnis mehr ihres Ehemanns für den Führerschein vorweisen.

Ab 1961 durften Frauen unter bestimmten Voraussetzungen die Antibabypille nutzen, vorher musste der Mann um Zustimmung gebeten werden, ob ein Kondom benutzt werden darf. 1962 durften Frauen alleine ein Konto einrichten und noch 1970 gab es im Bundestag einen Eklat, als Lenelotte von Bothmer im Hosenanzug an das Rednerpult ging. Bis dahin hatten sich Frauen „fraulich“ zu kleiden. 1973 wurde aus Notzucht dann Vergewaltigung, wobei diese nur außerehelich vorlag (erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar).

Seit 1977 brauchen Frauen keine Erlaubnis des Ehemannes für ihre berufliche Tätigkeit. 1979 führen die Grünen eine Frauenquote ein, 1988 die SPD. Seit 1992 dürfen Frauen auch zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten (Nachtarbeit), vorher war ihnen dies aus sittlichen und gesundheitlichen Gründen verwehrt. Seit 1994 dürfen Frauen nicht mehr gezwungen werden den Namen des Mannes anzunehmen. 2005 wurde Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin. 2016 folgt die 30% Frauenquote von DAX-Vorständen, im gleichen Jahr erfolgt die Verschärfung des Sexualstrafrechts zu „Nein heißt Nein“. 2017 kommt die Ehe für alle, 2019 feiert der Bundestag 100 Jahre Frauenwahlrecht. Der Anteil der Frauen im Bundestag liegt bei 31 %.

Auch als Mann muss man bei all diesen heute selbstverständlichen Gesetzen und Regelungen zugestehen, dass diese für die Gesellschaft notwendig und wichtig waren und sind. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine große Errungenschaft der Demokratie. Man hat allerdings zunehmend den Eindruck, dass je mehr für die Frauen erreicht wird, desto mehr steigt proportional die Unzufriedenheit der Feministinnen.

Wenn man sich nun die gesellschaftliche Situation in Deutschland der Gegenwart anschaut, ergibt sich nämlich ein ambivalentes Bild. Da gibt es zum einen den Gender-Pay-Gap, der zurecht von Frauenrechtlern und Frauenrechtlerinnen kritisiert wird. Im Jahr 2019 fand man diesbezüglich die einbrennende Zahl von 21 Prozent weniger Lohn für Frauen in sämtlichen Schlagzeilen.

Randthema Männer- und Jungendiskriminierung

Unfaires Framing bei der Diskussion ist allerdings, wenn man diese 21 Prozent nicht bereinigt. Rechnet man den Faktor Berufswahl, Bildungsstand, Erfahrung und Umfang (Teilzeit/Vollzeit) hinzu, liegt der Unterschied bei ca. 6 Prozent. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass ein Großteil der in Deutschland geleisteten Überstunden von Männern geleistet werden und Frauen entgegen der herrschenden Meinung (Stichwort: Männergrippe) tatsächlich statistisch mehr Krankheitstage als Männer aufweisen, ergibt sich fast ein ausgeglichenes Bild. [Anm.: Krankheitstage möchte ich weder Frauen noch Männern vorhalten, aber wenn man schon spitz rechnet, sollte man es fairerweise umfassend machen].

Natürlich möchte dies niemand lesen, zumindest sind solche  Differenzierungen für die meisten langweilig oder unbequem. Die Überschrift „Ausbeutung! – Frauen erhalten 21 Prozent weniger Lohn“ wird halt mehr geklickt.

Ebenso wird auch der Gender-Education-Gap zu Lasten der Jungen bzw. Männer gerne übersehen. Statt dessen werden z.B. im öffentlichen Dienst des Bundes Gleichstellungsbeauftragte (die nur von Frauen gewählt werden und nur Frauen sein dürfen) installiert, die dafür sorgen, dass Frauen bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt eingestellt werden. Somit haben junge Männer mit den tendenziell schlechteren Abschlussnoten noch eine zusätzliche Hürde zu nehmen, was dazu führt, dass in vielen Bereichen ein Frauenüberhang entstanden ist.

Dieses Beispiel zeigt, dass Gleichstellung und Frauenquoten in der Praxis oft in einem Gegensatz zur Gleichberechtigung steht. Eine stumpfe Gleichstellung kann gesellschaftliche Fehlstellungen aber sogar umkehren. Niemandem ist jedoch gedient, wenn eine Gesellschaft vom Patriarchat ins Matriarchat wechselt.

Auch müssen endlich Probleme wie die deutliche niedrigere Lebenserwartung von Männern im Vergleich zu Frauen angegangen werden. Spezielle Gesundheitsprogramme, Hilfestellungen und Förderung von Jungen und Männern ist nötig. Wenn wir von alten Rollenbildern weg wollen, dann müssen wir auch den Männern Hilfestellungen bieten sich neu zu entdecken. Sie dürfen nicht immer nur bestenfalls ein Randthema der Frauen- und Mädchenförderung darstellen.

Dass es in Deutschland immer noch nur ein Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt ist ein Unding. So kompliziert wie der Name, so veraltet ist er auch. Besser wäre z.B. ein Bundesministerium für Familie, Geschlechter und Generationen oder auch ein Bundesministerium für Familie und Diversity.

Grüne sind nicht die Partei der Gleichberechtigung

Ich persönlich bin kein Freund von Geschlechtertrennung. Es wäre schön, wenn aus der Feministinnenbewegung eine gesamtgesellschaftliche Bewegung würde. Wenn Politiker wie unser Außenminister Heiko Maas (SPD) sich als Feministen bezeichnen, halte ich das begrifflich für falsch. Es ist gut gemeint, aber ergibt keinen Sinn. Der Feminismus trägt das Wort „feminina“ in sich, lateinisch „Frau“. Ein Begriff, der lediglich ein Geschlecht beinhaltet, kann nicht generisch für Gleichberechtigung und Engagement dafür stehen.

Auch die Aktion des Rot-Rot-Grünen Berlins den 8. März als Internationalen Frauentag zum Feiertag zu machen, ist falsch. Ein Tag der Gleichberechtigung, des Regenbogens oder was auch immer wäre in Ordnung, aber nur ein Geschlecht hervorzuheben ist weder gerecht noch empathisch oder gar zukunftsweisend.

Die Grünen mit ihrer 50+ Frauenquote und dem Frauenstatut mit zahlreichen Privilegien für Frauen sind für mich daher eindeutig nicht die Partei der Gleichberechtigung, sondern eine Frauenpriviligierungspartei. Die Verschärfung des Frauenstatuts auf ihrem Bundesparteitag im November 2019 hat mich einmal mehr negativ überrascht bzw. enttäuscht.

Nun besagt § 2 Abs. 1 des Frauenstatuts der Grünen: “Ist die Redeliste der Frauen erschöpft, so sind die Frauen der Versammlung zu befragen, ob die Debatte fortgesetzt werden soll.”

Als Mann darf man also nicht mehr reden, wenn die Frauen das nicht wollen. Die Degradierung des Mannes scheint in der “Partei der Gleichstellung” weiter voranzuschreiten. Insbesondere als männlicher Wähler sollte man sich mit den Grünen daher sehr genau beschäftigen und sich nicht von der hübschen Sonnenblume blenden lassen.

Wenn die Grünen so etwas für sich selber beschließen ist das schon schlimm genug, aber schaut man nach Brandenburg und auf das neue dortige paritätische Wahlgesetz zeigt sich, dass man (in diesem Fall Rot-Rot-Grün) auch andere Parteien zu solchen Unfug zwingen will. Dort sollen zukünftig nach Geschlechtern getrennte Wahllisten erstellt werden und dann abwechselnd für die Gesamtliste ziehen. Und wenn eine Partei 20 % Frauen als Mitglieder hat, haben die dann eben Anspruch auf 50 % der Mandate. Was für ein Demokratieverständnis!

Das zusätzlich Paradoxe daran: Gerade die Grünen betonen immer wieder, dass für sie “Männer und Frauen” gesellschaftlich festgelegte Kategorien sind. Warum aber hören gerade sie nicht damit auf alles nach Geschlecht zu trennen? Warum haben sie nicht den Optimismus auf den individuellen Menschen und die Bestenauslese zu vertrauen? Auch die heute häufig durchgeführte positive Diskriminierung hat wenig mit einer individuell empfundenen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit zu tun, zumal sie meist demonstrativ und mechanisch als Einbahnstraße umgesetzt wird.

Es ist ebenso absurd, wenn Feministinnen neuerdings von Männern fordern sich als Feministen zu bezeichnen. Ich glaube Frauen würde es auch nicht gefallen, wenn man Gleichberechtigung als Maskulinismus titulieren würde. Der Feminismus 2.0 oder 3.0 sollte ein Humanismus 2.0 werden oder aber etwas ganz neues – wichtig ist, dass er alle umfasst.

Keine Privilegien, keine Quoten, sondern Chancengleichheit für alle!