Warum das Gendersternchen eine Rosinenpicker*in ist

Wer kennt nicht das Gendersternchen? Es hat dem Gendergap und dem Binnen-I den Rang abgelaufen und ist mittlerweile im Alltag, insbesondere aber in den Sozialen Medien häufig anzutreffen.

Ich selbst muss gestehen, dass ich es im Vergleich zu den beiden anderen Alternativen tatsächlich netter finde. Ein Sternchen gefällt mir besser als ein Unterstrich oder als ein großes “I” mitten im Wort.

Was viele allerdings nicht wissen: das Gendersternchen hat nur eine Teilzeitstelle. Es ist bei den anderen Buchstaben des Alphabets nicht sonderlich beliebt und seine Kolleg*innen beschimpfen es gerne als Rosinenpickerin oder Drückbergerin.

Gendersternchen sucht sich nur angenehme Begriffe

Konkret werfen die anderen Buchstaben dem Gendersternchen vor, dass es immer nur bei schönen Begriffen erscheint. Stehen jedoch Begriffe in negativem Kontext überlässt es den anderen lieber die Arbeit. Dabei behauptet es aber von sich selbst, es sei besonders gerecht und auf Gleichstellung aus.

Und es stimmt, das Gendersternchen macht gerne mit bei Gewinner*innen, Akademiker*innen und Doktor*innen. Auch so im Alltag findet man es oft, egal ob bei Schüler*innen, Klimaaktivist*innen und Polizist*innen.

Wird es aber ernst und man spricht von Verbrechern, Tätern, Terroristen, Umweltsündern und Extremisten meldet sich das Gendersternchen krank. Gesundet dann aber meisten sehr schnell, wenn es um erfolgreiche Unternehmer*innen geht.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung konnte sich auch vielleicht deshalb noch nicht richtig durchringen das Gendersternchen für die amtliche Rechtschreibung zu empfehlen. Die Grünen bzw. die Grün*innen haben es dagegen bereits 2015 auf ihrem Parteitag als anzuwendenden Form für mehr “Geschlechtergerechtigkeit” beschlossen.

Generisches Maskulinum historisch gewachsen

Ich persönlich finde das generische Maskulinum als historisch frei gewachsene Sprachentwicklung ehrlich gesagt vollkommen ausreichend. Es gibt gute und schlechte Begriffe und die haben nichts mit Geschlecht zu tun. Gerade Frauen verwenden auch heute noch oft das generische Maskulinum und haben damit überhaupt kein Problem.

Wichtiger als solche anstrengenden Formalismen ist sicherlich die Gleichwertigkeit aller Geschlechter in den Köpfen der Menschen zu erreichen. Natürlich geschieht dies auch über Sprache, aber man sollte es nicht übertreiben, denn sonst sind nachher alle so genervt, dass man eher negative Gefühle und Ressentiments erzeugt.

Aber wenn man denn das Gendersternchen unbedingt fest im Betrieb der deutschen Sprache aufnehmen will, dann sollte das nur in Vollzeit gehen. Wobei dann immer noch das Problem bleibt, dass ein Wort welches mit “innen” endet für mich immer noch als eigentlich nur rein weiblich erkannt wird.

Das wiederum wäre ja dann ein ähnliches Problem wie beim generischen Maskulinum, also ein generisches Femininum light. Und selbst Feminist*innen sind mit dem Gendersternchen unzufrieden, da sie es negativ finden, dass nach dem Wortstamm zunächst das Gendersternchen folgt und erst dann die weibliche Endung. Sie fühlen sich zurückgesetzt, weil die weibliche Endung als letztes folgt.

Die Frage ist, wie es Männern dabei geht, dass in diesem Land ansonsten eigentlich immer kategorisch die weibliche Form zuerst genannt wird. Aber das ist bekanntlich egal, leben wir doch nach Ansicht der meisten insbesondere linksgrünen Politiker*innen und Journalist*innen im Patriachat des (alten) weißen Mannes.