Freiheitsbeschränkung durch allgemeine Dienstpflicht

Nach dem Vorschlag einer Schutzzone für Nordsyrien, den Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin vor kurzem herausgab, ist nun der Vorschlag einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Frauen und Männer ein weiteres Kaninchen aus dem Zylinder von AKK.

Konkret soll es dabei wohl um ein Pflichtjahr zu gemeinnützigen Tätigkeiten, also z.B. in den Bereichen Kultur, Ökologie, Sozialwesen oder Bundeswehr gehen. Eine klassische Freiheitsbeschränkung durch Staatszwang.

Verfassungsrechtler haben bei dem Vorschlag bezüglich der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz ohnehin Bedenken (siehe: Artikel 12 GG). Aber der Vorschlag hat sicher nicht nur Nachteile. Rein praktisch könnte mit einer allgemeinen Dienstpflicht sicherlich einiges an günstiger Arbeitskraft für die Gesellschaft generiert werden.

Junge Frauen und Männer für die Gesellschaft

Ein Vorteil der allgemeinen Dienstpflicht gegenüber dem früheren Wehrdienst und Zivildienst wäre immerhin, dass auch junge Frauen miteinbezogen würden. Das würde die früher von jungen Männern empfundene geschlechtsbezogene Ungerechtigkeit bei der Wehrpflicht bereinigen.

Auch ich fand es Mitte der 90er Jahre ungerecht, dass ich 13 Monate im Krankenhaus auf der Pflegestation zwangsweise arbeiten musste, während die Mädels bereits eine Ausbildung oder ein Studium beginnen konnten. Bilanz ziehend kann ich aber gestehen, dass ich nach dem Zivildienst froh war, dass ich im Sozialbereich gearbeitet habe. Geschadet hat es nicht und wenn etwas vorbei ist, wovor man vorher eine Aversion hatte, sieht man die Sache meistens sowieso versöhnlicher.

Ein weiterer Vorteil eines allgemeinen Dienstes vor dem Berufsleben ist sicherlich auch, dass Menschen aus unterschiedlichen Bildungsschichten und verschiedenen Regionen des Landes zusammen kommen, um an einer gemeinsamen Sache zu wirken.

Der Charme der Freiwilligkeit und Freiheit

Jetzt aber zum ABER: Wäre es nicht besser, wenn man die jungen Menschen aus Überzeugung dazu bringen würde, etwas für die Gesellschaft zu tun? Wenn man zu etwas gezwungen wird, ist die Einstellung zu der Aufgabe direkt negativ. Haben wir das nötig? Es gibt tolle Aufgaben in diesem Land und für diese Gesellschaft zu erledigen. Und die jungen Menschen sind durchaus bereit dazu.

Man sollte besser den Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen. Dies könnte z.B. durch interessantere Einsatzmöglichkeiten für Bufdis, mehr Vergünstigungen und mehr gesellschaftliche und auch fiskale Anerkennung geschehen. Dann macht das ganze Spaß und es wird ein Schuh draus!

Es ist eben doch schöner, wenn man etwas freiwillig erbringt, als unter dem Druck eines Einberufungsbescheides, oder?