Europa

Gerade einmal 29,3 % der Erdoberfläche machen die sieben Kontinente aus. Europa ist mit 10,5 Millionen qkm der zweit kleinste Erdkontinent. Größer sind Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika und Antarktika, lediglich Australien (Ozeanien) ist kleiner.

Satellitenkarte von Europa

Geographisch gesehen ist Europa in Form von Eurasien mit Asien vereint und damit ein Subkontinent. Insbesondere aus kulturellen, politischen, historischen und auch wirtschaftlichen Aspekten wird Europa aber als eine eigene Einheit angesehen, die nach Asien hin durch das Uralgebirge abgegrenzt wird.

Für die antiken Griechen war der oberste Gott Zeus für die Trennung Europas (Εὐρώπη) von Asien verantwortlich. Zeus verwandelte sich in einen Stier und entführte die am Strand von Sidon (Phönikien, Libanon) spielende, schöne Königstochter Europa nach Kreta. Aus diesem Grund sprechen manche vom Antiken Griechenland, als Wiege Europas.

 

Bunte Vielfalt auf engstem Raum

Mit ca. 750 Millionen Einwohnern ist Europa der am zweit dichtesten bevölkerte Kontinent nach Asien. 75 Menschen teilen sich hier einen Quadratkilometer. Dieser Durchschnittswert sagt allerdings wenig aus, denn es gibt große Unterschiede bei der Bevölkerungsdichte der europäischen Länder. So leben auf Island gerade einmal 3,5 Personen pro qkm, auf Malta 1371 Personen.

Europa ist nicht nur bei der Bevölkerungsdichte sehr unterschiedlich. Durch den milden Golfstrom haben weite Teile Europas ein gemäßigtes Klima, die Mittelmeerregion ist dagegen mediterran (subtropisch) geprägt, während in Nordeuropa schon arktisches Klima herrscht. Die intensiven Westwinde bringen Niederschläge vom Atlantik. So hat Bergen (West-Norwegen) jährlich 2.250 mm Niederschlag, Murcia in Spanien gerade einmal 300 mm zu verzeichnen. Die in West-Ost-Richtung verlaufenden Alpen dienen in Europa als natürliche Wetterbarriere, daher gibt es hier weniger ausgeprägte Wetterextreme als in Nordamerika (z.B. Tornados).

Der Mont Blanc ist mit 4.810 m der höchste Berg der Alpen.

Die Landschaften Europas sind ebenfalls vielfältig. Fjordlandschaften, Seenplatten, Mittelgebirge, Hochgebirge wie die Alpen, Fluss- und Küstenzonen sowie Tiefland (Niederlande, Norddeutschland) findet man ebenso wie eine den Landschaften und Klimazonen angepasste Tier- und Pflanzenwelt. Die Wolga (3.530 km) ist noch vor der Donau (2.845 km) der längste Fluss Europas. Der höchste Berg Europas ist mit 5.642 m der Elbrus im Kaukasus (Russland). Der höchste Berg der Alpen ist der Mont Blanc (4.810 m, Frankreich/Italien) vor der Dufourspitze (4.634 m, Schweiz).

Europa ist bekannt für seine kulturellen Metropolen als Zentren von Kunst, Musik, Sport und Architektur. Die zehn größten Städte und Ballungszentren Europas sind Moskau, London, Istanbul (nur europäischer Teil), Sankt Petersburg, Berlin, Madrid, Kiew, Rom, Paris und Minsk.

 

Kultur und Wirtschaft Europas

Aufgrund seiner frühen Besiedlungsgeschichte und antiker Hochkulturen wie Griechen und Römer wird Europa auch die Alte Welt genannt. Die Neue Welt wurde von hier aus entdeckt. Als Entdecker Amerikas gilt heute der Isländer Leif Eriksson (isl.: Leifur Eiríksson), der um das Jahr 1000 Nordamerika entdeckte. Aber erst nach Christoph Kolumbus Entdeckung 1492 begann die dauerhafte Kolonialisierung Amerikas, zunächst durch die Spanier, später durch Portugiesen, Briten, Franzosen und Niederländer. Berühmte europäische Entdecker oder Seefahrer waren auch z.B. James Cook, Vasco da Gama, Marco Polo und Roald Amundsen.

Leif Eriksson-Statue in Reykjavik

Die europäischen Staaten bauten weltweit Kolonialreiche auf. Das Britische Weltreich (engl. British Empire) hatte um 1922 seine größte Ausdehnung und umfasste ein Viertel der Erde. Die Briten hatten damit das größte Kolonialreich der Geschichte. Bis heute sind viele ehemalige Kolonien mit Großbritannien im Commonwealth of Nations verbunden.

Mit der europäischen Besiedlung verteilten sich auch die Sprachen Europas über die Welt und so sind Englisch, Spanisch und Französisch bis heute weltweit verbreitet – als Handels-, Verkehrs- oder sogar offizielle Amtssprachen außereuropäischer Länder. Einige europäische Staaten (Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Dänemark und Niederlande) haben bis heute außereuropäische Überseegebiete, so dass diese politisch, aber nicht geographisch zu Europa zählen.

Die Vielfalt Europas kommt auch bei den zahlreichen Sprachen zum Ausdruck. Es werden germanische, romanische und slawische Sprachen gesprochen, die man u.a. zur Gruppe der indogermanischen Sprachen zählt. Sie machen 90 % aller Sprachen Europas aus. Finnisch, Estnisch und Ungarisch sind finno-ugrische Sprachen. Türkisch und Kasachisch sind dagegen Turksprachen. Damit nicht genug, es gibt auch verschiedene Schriftsysteme wie das lateinische, kyrillische und griechische Alphabet.

75 % der Menschen Europas sind Christen, Südeuropa (aber auch Staaten wie Polen und Irland) ist stark römisch-katholisch geprägt, Nordeuropa protestantisch (Lutheraner) und orthodoxe Kirchen gibt hauptsächlich in Osteuropa. Muslime findet man in der Türkei, aber auch in Bosnien-Herzegowina, Albanien und als Minderheit in nahezu allen Staaten Europas. Jüdische Minderheiten findet man u.a. in Frankreich, Großbritannien, Russland und Deutschland.

Bei soviel Vielfalt wundert es nicht, wenn das Motto Europas lautet: In Vielfalt geeint (lateinisch: In varietate concordia).

Neben den vielen kulturell-künstlerischen Leistungen Europas ist auch die politische Stellung des Kontinents hervorzuheben. Im antiken Griechenland wurde die Demokratie quasi erfunden, die Römer entwickelte viele Rechtsgrundsätze und bis heute international geltende Regeln zur Staatsorganisation. Europa war Zentrum der Aufklärung, des Humanismus und Liberalismus.

Im internationalen Vergleich ist Europa wirtschaftlich wohlhabend mit politischer Stabilität. In der Top 10 des Human Development Index befinden sich sieben Staaten aus Europa. Insbesondere Skandinavien und die deutschsprachigen Staaten haben ausgeprägte Sozialstaaten (Soziale Marktwirtschaft), niedrige Kriminalitätsraten und eine hohe Lebensqualität.

Von Großbritannien aus nahm einst die Industrielle Revolution ihren Lauf und führte den zu einer starken Wirtschaftskraft. Europa ist bis heute der Kontinent der Erfindungen, Innovationen und Dienstleistungen. Die Landwirtschaft ist ertragreich und produzierte Maschinen und Autos gehen in die ganze Welt.

 

Europäische Organisationen

Die in Europa am meisten gesprochenen Muttersprache ist Deutsch. Neben Englisch und Französisch ist Deutsch daher in den Organen und Institutionen der Europäischen Union (EU) Arbeitssprache. Die EU ging 1992 (Vertrag von Maastricht) aus der seit 1957 (Römische Verträge) bestehenden EG hervor. Die Montanunion war bereits 1951 von den Staaten Belgien, Bundesrepublik Deutschland (West-Deutschland), Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande gegründet worden. Dieser Beginn der europäischen Einigung war das Ergebnis der zwei für Europa und die Welt zerstörerischen Weltkriege.

Europaflagge (c)

Der EU gehören heute 28 Staaten Europas an. Der Staatenverbund beinhaltet einen riesigen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Neben der wirtschaftlichen Einheit ist aber die politische Einheit ein wichtiges Ziel der EU-Politik sowie eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Über die Zukunft der EU und deren Entwicklung gibt es je nach Mitgliedsstaat sehr unterschiedliche Vorstellungen, einige wünschen sich eine Entwicklung bis hin zu einem Bundesstaat, anderen geht dies viel zu weit.

Die meisten EU-Staaten haben außerdem den Euro als gemeinsame Währung eingeführt. Die EU hat eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist ein sog. abgeleitetes Völkerrechtssubjekt und ist u.a. Mitglied in der G20 und der Welthandelsorganisation. Der Aufbau der EU ist komplex: Organe der EU sind das Europäische Parlament (Sitz: Straßburg), die Kommission (Sitz: Brüssel, ähnlich einer Regierung mit Ministern), dem Gerichtshof und dem Rechnungshof (beide Sitz: Luxemburg) und der Europäischen Zentralbank (Sitz: Frankfurt am Main). Der Europäische Rat (auch EU-Gipfel) trifft sich mindestens zweimal pro Halbjahr als Gremium der Staats- und Regierungschefs. Zusätzliche gibt es noch den Rat der EU, wo alle halbe Jahre ein Mitgliedsland die Ratspräsidentschaft einnimmt und sich regelmäßig meist die Minister der Mitgliedsstaaten zu Beschlüssen in ihrem Ressort treffen.

Neben der EU gibt es auch noch andere europäische Organisationen wie etwa die EFTA (engl.: European Free Trade Association mit den Mitgliedern Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz), den Europarat (Sitz: Straßburg, 47 Mitgliedstaaten, gegründet 5. Mai 1949 in London) und die OSZE (Sitz: Wien, engl: Organisation for Security and Co-operation in Europe). Für die militärische Zusammenarbeit ist die NATO (engl: North Atlantic Treaty Organization) in Europa zu erwähnen, ein Bündnis europäischer Staaten mit den USA und Kanada. Der NATO gehören viele EU-Mitglieder an, Länder wie Schweden und Österreich jedoch nicht.