Liberalismus

Die Weltanschauung des Liberalismus leitet sich vom lateinischen Wort “liber” (deutsch: frei) ab. Die Weltanschauung des Liberalismus hat ein optimistisches Menschenbild und steht seit jeher für die Freiheit des Individuums vor staatlichen Eingriffen.

Der Liberalismus hat seine Wurzeln in der Aufklärung, seine Anhänger setzten sich gegen den Absolutismus der Herrschenden und für Bürgerrechte ein. Die Entwicklung vom beherrschten Untertan zu einem Bürger mit persönlicher Handlungsfreiheit und Privateigentum wurde durch den Liberalismus ermöglicht.

Der Liberalismus ist die älteste der drei klassischen politische Grundrichtung der Neuzeit, zu dem neben ihm auch der Konservativismus und der Sozialismus zählen.

Liberalismus im Wandel

Viele Parteien, Vereinigungen und Organisationen haben heute liberale Gedanken und Forderungen verwirklicht. Der heutige Liberalismus ist aber durch aufkommende autoritäre Systeme und derartige gesellschaftlichen Bewegungen unter Druck geraten. Dies wird vielfach unterschätzt oder nicht erkannt. Selbstverständlichkeiten wie Pressefreiheit und Meinungsfreiheit werden weltweit wieder in Frage gestellt. Und dies in liberal-freien Gesellschaften, wo man dies nie jemals wieder erwartet hätte.

Für manche ideologisch anders Orientierte ist der Liberalismus gar negativ behaftet. Da wird “Neoliberal” als Schimpfwort gebraucht, dabei hat das Wirken des Liberalismus erst die rechtliche Stellung als Bürger und geltende Menschenrechte ermöglicht. Wo wäre die Gesellschaft heute ohne den englischen liberalen Vordenker John Locke (1632-1704) und seine Forderungen der Naturrechte Leben, Freiheit und Eigentum?

Der Liberalismus hat auch die Unabhängigkeitserklärung und Verfassung der USA sowie die Französische Revolution (Liberté, Égalité, Fraternité, auf deutsch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) etabliert. Vorbild für die modernen Demokratien und freien Gesellschaften der Neuzeit.

Andere schreien nach einem starken Staat, einer starken Führungsperson oder wünschen sich einen harten Überwachungs- und Polizeistaat. Freiheit so selbstverständlich sie uns vorkommt ist keine Selbstverständlichkeit – das sollte kein Bürger und keine Bürgerin je vergessen. Abgetretene Freiheitsrechte kriegt man so schnell nicht wieder zurück.

Deshalb ist der Schutz und die Unterstützung des Liberalismus wichtig. Er steht dazu im Wandel der Zeit und muss sich auf eine immer schneller werdende Gegenwart und Zukunft einstellen – eine Herausforderung. Neue Denkansätze und frische Impulse für den Liberalismus möchte dieses Portal liefern.

Das optimistische Menschenbild des Liberalismus

Liberal zu sein bedeutet bis heute sich für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz einzusetzen. Eine Gängelung durch zuviele Gesetze und Verordnungen sowie unverhältnismäßige Überwachung durch den Staat lehnt der Liberalismus ab.

Liberal zu sein bedeutet auch, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ein humanistisch-optimistisches Menschenbild zu vertreten. Der Mensch kann mit seinen Fähigkeiten sein eigenes Schicksal positiv gestalten, der Staat sollte ihn dabei so wenig wie möglich eingrenzen.

Liberalismus steht für eine neutrale Ausrichtung des Staates in religiösen Fragen und überlässt mit seiner Toleranz dem Einzelnen die Entscheidung, welche Religion oder Weltanschauung er vertritt. Ein liberaler Staat und seine Rechtsordnung schreiben einem Menschen nicht vor, was er zu denken oder zu glauben hat.

In der heutigen Zeit bleibt der Liberalismus seinen Prinzipien treu. Daher fördert er Weltoffenheit, Deregulierung und  weltweite Vernetzung (Digitalisierung). Seinen größten gesamtgesellschaftlichen Erfolg hat der Liberalismus meist in seiner moderaten Form und in Gesellschaften, wo der Wille zum Kompromiss vorhanden ist. Mittlerweile ist herrschende Meinung: Die eigene Freiheit hat Grenzen, spätestens dort wo sie die Freiheit anderer beschränkt. Daher fordert der Liberalismus zwar grundsätzlich so wenige Regeln und Gesetze wie möglich, aber auch die klare Einhaltung dieser, um Recht und Ordnung in einer Gesellschaft zu garantieren. Damit alle Menschen möglichst gleiche Chancen haben.

Wirtschaftlicher Liberalismus und soziale Marktwirtschaft

Liberalismus wird oft im politischen Kontext gebraucht, ist aber nicht zwingend nur die Politik betreffend. Neben dem politischen Liberalismus gibt es z.B. auch den wirtschaftlichen Liberalismus, der den Menschen das Recht auf Privateigentum ermöglicht und freien Handel & Gewerbefreiheit gewähren möchte.

Der Freie Markt soll sich dabei möglichst selbst regulieren, staatliche Eingriffe sollen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Der Kausalzusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage gilt als steuerndes Element (Saysches Theorem). Privatwirtschaftliches Handeln wird gegenüber der staatlichen Aktivität bevorzugt. Zölle oder staatliche Subventionen werden dagegen als Wettbewerbshemmnisse angesehen.

Die theoretische Grundlagen des Wirtschaftsliberalismus lieferte bereits der schottische Aufklärer Adam Smith (1723-1790). Mit seinem Werk über den “Wohlstand der Nationen” von 1776 markierte er den Wendepunkt vom Merkantilismus der absolutistischen Staaten und Interventionismus zum wirtschaftlichen Liberalismus mit freier wirtschaftlicher Betätigung jedes Einzelnen.

Adam Smith ist vor allem bekannt mit seiner Theorie der unsichtbaren Hand (engl. invisible Hand), die unterstellt, dass im Idealfall ein erfolgreicher Unternehmer durch seinen Wohlstand auch das Gemeinwohl fördert.

Bei unterschiedlichen Produktivitäten profitieren Länder vom internationalen Handel, der weltweite Wohlstand steigt. Leider funktioniert diese Theorie in der Praxis nicht immer (direkt). Daher wurde bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland entwickelt. Gerne wird diese als deutsche Erfindung und Exportschlager definiert.

Die Soziale Marktwirtschaft verbindet die liberale Marktwirtschaft mit einem Sozialsystem als Korrektiv. Die persönliche und gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Güterversorgung wird dabei ergänzt durch den Sozialstaat, der eventuell negative Entwicklungen des Marktes ausgleichen soll.

In Artikel 3 im EU-Vertrag von Lissabon (2007) werden u.a. die soziale Marktwirtschaft und der freie Wettbewerb und Binnenmarkt als Ziele und Werte der Europäischen Union erwähnt.